Stockhausen ist tot!
Zur Technik des Kunst-Tötens
Die symmetrische Tripel-Kurz-Kunst-Tötung (TKKT)
Von Dr. Effjott von Scheider, Zahnarzt und Musikwissenschaftler, Abdruck frei
Der Titel dieser kleinen Hetzschrift ist symbolisch gemeint. Er gehört eigentlich
dem Komponisten Pierre Boulez (geb.1925), Schönberg ist tot (Pierre Boulez,
Schönberg est mort, in: Anhaltspunkte, Kassel und München 1979), der einer
Generation angehört, die Ihre intellektuelle Marktpräsenz mit dicken Eiern zu
behaupten hatte. So what? Nun ist natürlich auch Boulez’ Aufsatz eine symbolische
Tötung, wobei es sich als praktisch erwies, das Schönberg bereits tot war und nicht
mehr widersprechen konnte. Man kennt aber Wagners „Das Judentum in der Musik“, der
zeitgenössische Komponisten-Konkurrenten wie Meyerbeer mit politischen und
polemischen Mitteln aus dem Markt zu drängen versuchte. Darum geht es hier nicht.
Schon weil ich als Zahnarzt und Musikwissenschaftler an Marktfragen nicht
interessiert bin, soll Prof. Stockhausen auf eine gegen ihn gerichtete Hetzschrift
noch antworten können.
Heute erfindet man neue Stile, wie Techno, Trance, Trip-Hop, whatever, um in die
Medien zu kommen, was ja legitim ist. Jedenfalls, Boulez wollte in seiner kleinen
Hetzschrift gegen Schönberg irgendwie klar machen, dass der „“Fall“ Schönberg“ ihn
„ja ärgerlich macht“ und es Schönberg „an bewußtem Wagemut fehlt“ und er, Boulez,
jetzt das Alpha-Männchen, Chef-Primat und Groß-Inquisitör ist. Das ist natürlich
jetzt krass polemisch aus dem Zusammenhang gerissen und bewußt grob verkürzt, aber
wenn man aus einem gewissen zeitlichen Abstand gewisse Schriften beurteilt, sollte
man vor allem nicht den Humor verlieren. „Die Zeit macht nur vor dem Teufel halt“,
hieß einmal ein Schlager.
Ich kann nicht verhehlen, dass ich den öligen und unleserlichen Aufsatz von Boulez
Anfangs ziemlich unverschämt fand, da ich Schönberg als Theoretiker und
niveauvollen Autor sehr zu schätzen weiß. Sein physikalisches Verständnis und sein
musikalisches Gespür haben mich beeindruckt, haben mich praktisch zur
Musikwissenschaft verleitet. Aber die effiziente Form der Kunst-Tötung, die Boulez
anwendet, nämlich mit einer Überschrift die intellektuelle Leistung eines Menschen
gnadenlos auszumerzen, für nichtig zu erklären, scheint mir eben auch für
Stockhausen wie geschaffen. Boulez ist also der Inspirator dieser Hetzschrift gegen
Stockhausen. Wir haben also jetzt die Reihentechnik Boulez tötet Schönberg,
deswegen tötet Dr. von Scheider Stockhausen und schieben als hegelianische
Pentatoniker (Phytagoras und nur nach diesem, Hegel) als Dritten Mann noch
Staatsrat Dr. H. S. Ziegler, also der mit der entarteten Kunst, als Vorbild aller
echten Hetzer dazwischen.
< Hört sich alles schrecklich an !?!!?? >
Wir töten ja nicht wirklich, wir töten symbolisch. Ich als Zahnarzt darf sowieso
nicht wirklich töten. Deshalb möchte ich aus quasi ärztlicher Sicht noch einmal
ausdrücklich klarstellen, dass die Tötungsform des Kunst-Tötens ein völlig
normaler, darwinistischer Vorgang innerhalb der Evolution des menschlichen
Geisteslebens ist und unser französischer Kollege Boulez mit der Kunst-Tötung
Schönbergs im Prinzip völlig O.K. gehandelt hat. Schlimm ist es nur wenn in
Hollywood-Filmen getötet wird, außer Boulez hat die Filmmusik gemacht. Es ist also
völlig O.K., die Form des Kunst-Tötens, in diesem Falle sozusagen qualitätssichernd
vom Arzt selbst ausgeführt, auch auf Prof. Stockhausen anzuwenden.
Warum müssen wir nun an Stockhausen, gerade an Ihm, das Ritual des Rituellen, „Das
Retro-rituelle Ritual“ (rororo, 2004), die ritualisierte Kunst-Tötung als das
Rituelle an sich, vollziehen? Weil er dran ist? Weil es kein Anderer macht? Es ist
wie immer die verdammte digitale Technik, die schon wieder ein neues, diesmal
kulturell bedeutendes Opfer fordert.
„Stockhausen ist tot!“ weil die Digitaltechnik mehr technische Möglichkeiten bietet
als das „Studio für elektronische Musik“ in Köln je hätte andenken können. Der
geistige Bezugsrahmen Stockhausens, die technischen Möglichkeiten des
Industriezeitalters experimentell zu Nutzen, ist heute grausamer Alltag der EDV im
Kinderzimmer. Für heutige professionelle Anwendungen bedarf es also quasi einer
Revision Stockhausener Musiktheorie. Da man aber auch einem nur symbolisch Toten
nichts schlechtes nachsagen soll, und allein die Fülle seines Schaffens und deren
Aufarbeitung die Personalstärke der Gauck-Behörde beanspruchen würde, wählen wir
also jetzt die völlig O.K.e, knappe und personalsparende Form des symmetrischen
Tripel-Kurz-Kunst-Tötens (TKKT oder auch sTKKT):
-
„Stockhausen est mort!“
-
„Punk war tot!“
-
„Dead is Boulez!“
Da es um Musik geht, haben wir ein sehr ausgewogenes TKKT mit 3 Phrasen, 9 Worten
und 40 Buchstaben gewählt. Das 5. und damit mittlere Wort "war" bedeutet im
englischen Krieg. Die knappe Form des symmetrischen TKKT ergibt bei geschickter
Reihentechnik eine gut merkbare Anfangsbuchstabenkombination, die den Beteiligten am
TKKT wiederum ihre leicht identifizierbare, werbetechnisch nutzbare
Buchstabenkombination zuweist. Unser TKKT heißt SPD.
Um Stockhausen aber gerecht zu werden, dürfen wir gerade die positiven Elemente
seiner Persönlichkeitsstruktur nicht verschweigen. Die zahlenmythologische
Names-Analyse (A=1, B=2, S=20 usw.) ergibt bei Stockhausen die Quersumme (QS) 136.
Da 1, 3, 6 die ersten drei Zahlen der neunstelligen Weltformel sind, weist die QS
Stockhausen = 136 eindeutig auf die genialen Anlagen des Musikers, sich optimal zu
inszenieren. Die zweite Analyse (A=1, S=19=2, T=20=2) ergibt für Stockhausen 39.
Schon im Namen Stockhausen findet sich mit 3*13=39 ein ganz dreideutiger,
musikalischer Hinweis, nämlich das die richtige chromatische Teilung der Oktave
nicht mit 12 sondern mit 13 Tönen zu erfolgen hat. Hier ist der Ursprung der
Persönlichkeitsspaltung eines Musikers zu finden, der anstatt mit 13 Tönen zu
arbeiten, meint, es reiche er benutze 12 oder die 12. Wurzel. Schade.
Das bedeutet natürlich alles Nichts und soll es auch. Nur war es eben mal wieder
Zeit für eine kleine Hetzschrift mit einer signifikanten Überschrift.
Es geht praktisch darum, dass Stockhausen out ist und das ist - endgültig - der
Untergang des Abendlandes.
Blankenburg/Harz, den 03.02.2003
© R. Konstantyn 2003